Tyshea von Princess Charming: „Diesmal lag der Fokus mehr auf Trash“

Nach der hochgelobten und mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten ersten Staffel von „Princess Charming" erntete die vor kurzem zu Ende gegangene zweite Staffel der Datingshow erhebliche Kritik. So hätten beispielsweise interessante Diskussionen über LGBTIQ*-Themen gefehlt, auch weil sie laut der Aussage von Teilnehmenden der Schere von RTL zum Opfer fielen. Problematische Aussagen blieben unkommentiert stehen und die Chemie zwischen der Princess Hanna Sökeland und den Kandidatinnen habe auch nicht gestimmt. Gleich mehrere Teilnehmende verließen freiwillig die Show. Wir sprachen mit Kandidatin Tyshea Lashaune Suggs, wie sie die zweite Staffel von „Princess Charming" erlebt hat
Tyshea, wie blickst du auf diese Staffel von „Princess Charming" zurück? Was ist dein persönliches Fazit? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich finde, dass ich tatsächlich ganz gut weggekommen bin. Es gab ja andere Teilnehmerinnen, die haben gar keine Sendezeit bekommen oder wurden immer nur in Situationen gezeigt, die ungünstig waren. Das blieb dann häufig unkommentiert und wurde nicht in den richtigen Kontext gesetzt. Das war bei mir nicht der Fall und darüber bin ich, ehrlich gesagt, ziemlich froh. Betrachtet man aber die ganze Staffel, dann hätte ich mir das allerdings anders erhofft und etwas anderes erwartet.
„Wir waren von der ersten Staffel so überzeugt"
Worauf führst du das zurück? Ich glaube, ich kann für alle Kandidatinnen sagen, dass wir uns beworben haben, weil wir von der ersten Staffel so überzeugt waren und weil das so phänomenal war. Wir hatten auch Lust, weiter bestimmte Themen anzusprechen, einen Diskurs anzuregen und Geschichten zu erzählen, die wir in unserem Alltag erleben. Ich weiß nicht, was dem Sender für diese Staffel vorschwebte, aber ich hatte das Gefühl, dass diesmal der Fokus ein bisschen mehr auf Trash lag und dass das Format jetzt nicht nur für die Community sein sollte, sondern für die breite Öffentlichkeit.
Welche Erwartungen hattest du im Vorfeld? Ich hatte natürlich viele Intentionen, weshalb ich da mitmachen wollte. Tatsächlich hatte ich bislang noch gar nicht so viele Berührungspunkte mit der queeren Community oder besser der FLINTA* Community. Es war auch mein Wunsch, dass ich da reingehe und lerne, mehr auf das Gendern zu achten, denn das hatte ich vorher noch nicht so verinnerlicht. Ich hatte mir erhofft, dass viele Menschen dabei sein werden, die mich an die Hand nehmen und mir Dinge zeigen und erklären können. Mich interessierten die Erlebnisse der anderen, denn ich habe das große Privileg, dass ich noch nie schlimme Dinge erleben musste. Meine Hautfarbe und meine sexuelle Orientierung haben noch nie zu Diskriminierung geführt. Meine größte Hoffnung war, dass ich mutiger werde, für andere Menschen Stellung zu beziehen, auch wenn mich deren konkrete Situation vielleicht nicht direkt betrifft.
„Wir hätten unterschiedlicher nicht sein können."
Und hat sich das dann so für dich erfüllt? Also, ich hatte einen Tag in der Villa, das war Tag 2 oder 3. Da hatten Jay und Caro sehr viel erzählt, was sie schon alles durchmachen mussten. Da ist mir noch mal bewusst geworden, was ich bislang für ein Glück hatte. Da hatte ich so einen Moment, an dem ich dachte, dass ich künftig einfach nicht mehr still bleiben werde. Inzwischen ist ein bisschen Zeit vergangen und jetzt kam ja gerade dieser krasse Shitstorm in den sozialen Medien, verbunden mit viel Negativität. Das hat mich dann doch wieder eingeschüchtert. Ich fragte mich, was ich eigentlich glaube, wer ich bin, dass ich für andere Menschen mitsprechen kann. Das ist ja nicht so richtig mein Recht. Deswegen bin ich da momentan noch ein wenig am Suchen. In jedem Fall konnte ich aber durch die Teilnahme mehr Kraft entwickeln.
Ein Kritikpunkt an dieser Staffel war die geringe Diversität des Casts. Wie hat sich das für dich dargestellt? Für mich war das schon ein sehr bunter Haufen. Wir hätten unterschiedlicher nicht sein können. Allerdings war es schon so, dass die feminineren Kandidatinnen überwogen haben. Das hatte sicher auch damit zu tun, was die Princess suchte. Andererseits hatten wir alle, glaube ich, erwartet, dass dieses Mal eine trans Frau dabei wäre. Es gab in der letzten Staffel schon keine und jetzt wieder nicht.
„Bei der Darstellung einzelner war ich schockiert und dachte, krass, was man im Schnitt alles daraus machen kann."
Würdest du sagen, dass die Persönlichkeiten der Frauen gut getroffen waren? Also ich muss schon sagen, dass ich bei der Darstellung einzelner schockiert war und dachte, krass, was man im Schnitt alles daraus machen kann. Sarah zum Beispiel war von Anfang an eine meiner engsten Beziehungen. Wir hatten uns schon am Flughafen gesehen, waren da aber noch zu schüchtern, einander anzusprechen. Sarah ist eine hochpolitische, intelligente Person, die superwichtige Beiträge geliefert hat. Ich finde es einfach schockierend und habe keine Antwort darauf, weshalb sie quasi gar keine Sendezeit bekommen hat. Genauso Kathi. Sie wurde immer nur darauf reduziert, dass sie bei der katholischen Kirche arbeitet. Hinter ihrer ruhigen Art steckt so viel mehr als gezeigt wurde. Meinem Gefühl nach wurden die Charaktere so reingeschoben, wie es dem Sender gepasst hat. Auch wenn in allem ein Funken Wahrheit stecken mag, wurden manche Kandidatinnen doch sehr überzeichnet dargestellt.
Lass uns über die Princess reden. Wie hat sich Dein Verhältnis zu Hanna entwickelt? Am Anfang war ich superaufgeregt und sehr schüchtern ihr gegenüber. Ich war total beeindruckt von ihr und wollte nichts falsch machen. Das psychische Spiel, das in der Sendung mit den Kandidatinnen gespielt wird, darauf bin ich voll reingefallen. Aber als wir dann unser Einzeldate hatten, konnten wir mal ganz entspannt reden, über viele verschiedene Dinge. Ich habe von ihr fragile Seiten kennen lernen dürfen, und das war dann der Punkt, wo ich auch loslassen und wieder ich selbst sein konnte. Dann habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich sie doll mag, aber dass sie nicht die richtige Partnerin für mich wäre und ich im Laufe der Sendung wohl auch keine Gefühle für sie entwickeln könnte.
Ein Wort zum Schluss? Ich wünsche mir einfach, dass die ganze Kritik, die der Sender jetzt bekommen hat oder auch teilweise wir, die Teilnehmerinnen, am Ende in etwas Positives verwandelt wird. Nämlich, dass alle daraus lernen und man dann aus der dritten Staffel noch mal was Neues und Schönes rausholen kann.
Lange Version des Interviews auf l-mag.de
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